Montag, 17.06.96

    08:00 Wegen der kurzen Nacht, kommen wir nur schwer aus den Kojen. An der Tür finden wir spezielle Pässe für den Landgang. Nach dem Frühstück ziehen wir mit guten Ratschlägen versehen los. Da der Liegeplatz nicht weit vom Stadtzentrum ist, können wir alles zu Fuß erreichen. Am Bahnhof Apolonia vorbei erreichen wir den Praca do Commercio, von den aus wir in die Baixa (Unterstadt) schlendern, die nach dem Erdbeben von 1755 vom Marquese de Pombal streng geometrisch gestaltet wurde. Der Elevator de Sta Justa bringt uns zur Bairro Alto (Oberstadt). Zwei Stockwerke über der Kopfstation des von Eiffel erbauten Aufzuges erleben wir eine beeindruckende Sicht über die ganze Stadt.

Der Praca do Commercio ist der Zugang zur Unterstadt, seine offene Lage am Wasser bewirkt das Gefühl von größe und Weite.

Aufzüge helfen die extremen Höhenunterschiede in der Stadt zu überwinden. Neben dem imposanten Elevator de Sta Justa (links) existieren mehrere Standseilbahnen (unten).

Von der Bairro Alto fahren wir mit der noch ganz mit altem Holz ausgekleideten Straßenbahn durch die vielen engen und steilen Gäßchen bis zur Alfama (ältestes Viertel mit maurischer Struktur) und suchen den Weg hinauf zum Castelo de Sao Jorge.

Portugal ist bekannt für die Fliesen- manufaktur. In Lisabon findet man an mehreren Stellen das Panorama in kunstvollen Kacheln dargestellt.

In den Ruinen von Sao Jorge erfreuen wir uns an der Aussicht und genießen den Tag. Auf dem Rückweg zum Schiff besuchen wir eines der vielen Lokale in der Alfama. Obwohl niemand deutsch oder englisch versteht, bekommen wir, weit weg von den Touristen, zwei phantastische Platten mit gegrillten Sardinen und eine Flasche kühlen Tafelwein.
Pünktlich um 15.00 sind wir todmüde an Bord zurück und genießen die kalte Dusche
.

17:30 Wir legen ab zur Reise nach Leixoes. Bis zur Mündung lassen wir das Panorama von Lissabon und Belem auf uns einwirken. Unter der Hängebrücke über den Tejo können wir jetzt deutlich erkennen, daß die Fahrbahn nur aus Gitterrosten besteht. Offensichtlich ist dies eine Maßnahme, um die Windkräfte, die auf die Brücke einwirken können zu verringern.

An die große Zeit Portugals errinnert das Denkmal für die Entdecker in der Nähe der Alcantara Kais.

Selbst der Torre de Belem (unten) trägt Tauwerk in Stein als Verzierung.

Auf See erwartet uns diesmal ein kräftiger Wind und das Schiff stampft und rollt gewaltig. Die geringere Ladung trägt offen- sichtlich auch dazu bei, daß die Bewegungen nun heftiger als in der Biskaya sind.

    18:35 Bei S.Juliao (040°/4.3 NM) gehen wir auf Steuerkurs 310°

    19:00 GPS-Position 38°39’N 009°28’W, Cabo Raso liegt in Richtung 064°, wir passieren das Kap mit 1.3 NM Abstand und gehen auf Steuerkurs 355°

    20:00 Das Schiff liegt nun wieder ruhiger, wir sind noch mal vorne am Bug. Neben uns zieht die malerische portugiesische Küste vorbei. Wir passieren einen Fischkutter mit Besegelung und verlieren langsam das Land aus den Augen. Nur noch in der Dunkelheit werden wir gegen 23:30 das Leuchtfeuer von Farilhao Grande sehen.

    24:00 GPS-Position: 39°34’N 009°28’W

   Dienstag, 18.06.96

    06:00 GPS-Position: 40°42’N 009°12’W

    09:30 Wir legen in Leixoes an. Der Liegeplatz in dem kleinen Hafen ist nur durch eine Klappbrücke zu erreichen. Außerhalb ist eine Ölpier, in der Hafeneinfahrt liegen Ölsperren bereit.

    10:00 Unser Landgang führt uns zunächst durch die Markthalle von Leixoes. In der Fußgängerzone trinken wir noch etwas, bevor wir uns auf die Suche nach einer Haltestelle des Busses nach Porto machen. Entlang des Duoro entdecken wir die Festungen, die früher den Zugang ins Landesinnere von der See aus sicherten.

11:00 Porto ist an den steilen Hängen des Duoro-Tales erbaut. Bevor wir uns zu Fuß durch die steilen Straßen quälen müssen, spüren wir am Motorgeräusch des alten klapprigen Busses dessen Last. Im ersten Gang unter Vollgas erübrigt sich jede Unterhaltung.

13:00 Auch an uns hat die Lage des Ortes seine Spuren hinterlassen, nach dem Essen und einigen kleinen Einkäufen streichen wir die restliche Besichtigungspunkte und lenken unsere Schritte nur noch nach unten zum Flußufer. Für das Panorama mit den berühmten Portweinkellern haben wir lediglich ein paar müde Blicke, viel wichtiger ist uns der Bus zurück nach Leixoes.

              17:30 Endlich zurück an Bord, erst nach einiger Zeit fallen uns die Versäumnisse ein: ein paar Flaschen Portwein und ein Telefongespräch in die Heimat.

    00:10 Obwohl wir schon etwas geschlafen haben (auch die Flasche Sekt, die wir im Laufe des Abends getrunken haben, hat uns nicht munter halten können), beobachte ich das Auslaufen. Der Reiz der bunten Lichter am Ufer ist immer wieder beeindruckend, nur der Douro bildet eine dunkle, geheimnisvolle Lücke im Lichtermeer der Küstenorte. Bevor ich mich auch in die Koje lege spüre ich noch die kräftige Bewegung des Schiffes im Seegang.

   Mittwoch, 19.06.96

    06:00 GPS-Position: 42°06’N 009°06’W

    06:20 Position querab Cabo Silleiro

    07:30 Genau zum Aufwachen laufen wir in Vigo ein. Wieder haben wir das Panorama hoher Berge vor dem Fenster.
    Zum Frühstück bietet uns der Koch heute Frikadellen mit Spiegelei an. Bisher waren die Mahlzeiten immer abwechslungsreich und wohlschmeckend. Auch Heidrun hat sich schnell die Gebräuche an Bord gewöhnt, der Ruf aus der Messe : "Cocky, may I have two scrambled eggs with bacon, please!" läßt mich schmunzeln.

    08:30 Obwohl Vigo leicht zu Fuß erreichbar ist, bleiben wir heute an Bord. Die beiden letzten Tage waren zu anstrengend. In der Koje liegen, lesen, ein bißchen am Computer spielen, mehr ist heute nicht geplant. Am frühen Vormittag werden wir ohnehin wieder auslaufen. Unser nächstes Ziel ist Le Havre, da Southampton nicht mehr in diesem

 

    12:50 Diesmal erlebe ich das Auslaufen im Maschinenraum. Der 1470 kW Dieselmotor treibt den Verstellpropeller über ein Untersetzungsgetriebe an. Der Motor hält konstant seine Drehzahl, das Ablegen läßt sich nur über die Leistunganzeige des elektrischen Bugstrahlruders (220 kW)und die Änderung des Anstellwinkels des Propellers feststellen.

    13:30 Am Pta Subrido verlassen wir die Bucht von Vigo mit Steuerkurs 314°. Diese herrliche Landschaft ist ideal für denjenigen, der sich abseits von Touristenströmen, jedoch nicht allzu fern der Zivilisation erholen möchte.

    16:00 GPS-Position: 42°39’N 009°27’W

    17:24 Wir passieren Cabo Finstere in 21,5 NM, neuer Steuerkurs 000°

    18:40 Bei GPS-Position: 43°14’N 009°45’W drehen wir auf Steuerkurs 031°. Vor uns liegen ca 26 Stunden Biskaya.

    24:00 GPS-Position: 44°16’N 008°53’W

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